San Zeno in Verona

Die drei Heiligen der Pforte von San Zeno

San Zeno di Verona – Außenansicht

Wenn man vorübergehend in Verona in der „Residence Antica San Zeno“ untergebracht ist, ja also quasi im Viertel des San Zeno wohnt, dann muß man natürlich bei ihm vorbeischauen, dem Heiligen in seiner großartigen Kirche aus dem 11. Jahrhundert, der schon um 360 n.Chr. zum achten Bischof von Verona geweiht wurde und bis heute sein Lächeln nicht verloren hat.

Er kam aus Afrika, heißt es, und wird deshalb mit dunkler Hautfarbe dargestellt, ein wahrhaft kosmopolitischer Akt im frühen Mittelalter Italiens!
 
Seine Kirche strahlt seit über 1000 Jahren die gleiche Heiterkeit aus, die „der lachende San Zeno“ aus farbigem Marmor links vom Hauptaltar den Gläubigen und Ungläubigen unablässig bis heute entgegenbringt. Viele Kerzen brennen hier, mehr als an irgendeinem anderen Ort der Kirche, und wenn man San Zeno in seiner Gutmütigkeit so anschaut, dann kann man gar nicht anders, als ebenfalls zu spenden und eine Kerze für die Heiterkeit der Welt anzuzünden.
 
Ich gehe ganz früh hin, gleich nach dem Frühstück, um 8.30, bevor die Touristengruppen sich aufmachen und den Führern hinterherlaufen.
 
Ich will die Kirche für mich und mir Schritt für Schritt die Kunstwerke, die Mauern, die Altäre und Madonnen anschauen und mir alles von meinem Büchlein erklären lassen.
 
Innenansicht von San Zeno di VeronaDas Büchlein brauche ich dann aber gar nicht, denn in der morgendlichen Frische wird die Kasse in der Kirche gerade erst geöffnet. Und wie überall, in jedem Geschäft, muß am Morgen kurz nach Ladenöffnung alles erst anlaufen und ist noch ein wenig desorganisiert.
 
Es erwarten mich „die drei Heiligen der Pforte von San Zeno“!
Eine hagere ältere Nonne in grauem Kleid,weißer Haube und Ray-Ban-Brille trifft an der Kasse den Küster, man beratschlagt anscheinend, was an diesem Tag zu tun sei. Eine blonde junge Frau mit wunderschönen langen Haaren, die man niemals hier an einer Kirchenkasse vermuten würde, schließt gerade den Holzverschlag auf und nimmt, während sie mit den beiden anderen mitdiskutiert, die Kasse und die Rolle mit den Eintrittskarten aus der Schublade.

Zerstreut nimmt sie mein Geld entgegen, reißt die falsche Eintrittskarte ab, der Küster korrigiert fröhlich lachend und fragt dann: „Tedesca?“ Ich nicke: „Si!“
 
Und in bezauberndem, ganz vorsichtig ausgesprochenem Deutsch, erklärt sie mir dann, daß sie hier ein schönes Führungsblatt habe, auf dem alle Stationen erklärt seien und mit dem ich einen wunderbaren Rundgang machen könne.
 
Ich bedanke mich freundlich und alle drei wenden sich auf einmal mir zu, lächeln zustimmend, ja ermunternd und wünschen mir einen schönen Spaziergang,  „una bella passegiata“. Hätte bloß noch gefehlt, daß sie mich gesegnet hätten.
 
Als ich mich noch einmal umdrehe nach den dreien, zieht sich das Mädchen eine Strickjacke enger um die Schultern…es ist doch ein wenig kühl in den Kirchen Italiens.
 
Bei meinem Rundgang sehe ich die Jahrhunderte an mir vorbeifließen, mit einer Selbstverständlichkeit, die wohl nur in Italien so sein kann, wegen der Überfülle an alten Schätzen. Ein monolitisches Taufbecken aus Porphyr aus einem römischen Badehaus (2. Jhd.), einen Renaissance-Altar (16. Jhd.), das Bronzeportal (12. Jhd.), eine Kreuzigungs-Szene aus der Schule von Giotto (13. Jhd.), und an den Wänden überall Fresken (ab 12. Jhd.) in unterschiedlich gutem Zustand. Unten, wo man mit den Händen noch hinkommt, sind viele abgewetzt und die Farben blaß. Teilweise ist sogar der Putz, auf den man die frischen Farben mit schneller Hand „al fresco“ malen mußte, abgegriffen und man sieht darunter die Mauersteine.
 
San Zeno Verona geschnitzte HolzfigurenTausende von Besuchern haben ganz ungeniert im Laufe der Jahrhunderte in den alten Fresken ihre Botschaften hinterlassen in unterschiedlichen Schriften. Eine Bitte aus napoleonischer Zeit 1790 ist entzifferbar, andere Buchstaben kann man nicht lesen, aber die Jahreszahlen sind deutlich und stammen aus allen Epochen. Man hat seine Gebete einfach eingeritzt in die bunten Bilder, hat über die Jahrhunderte Graffiti geschaffen, die uns heute erstaunen, und auf Hilfe von oben gehofft.
 
Aber die Augen der Figuren auf den Fresken sind so frisch wie damals, als sie gemalt wurden. Milde, freundlich und allesverstehend schauen sie dem Besucher zu, wie er sie bewundert.
Als ich nach beinahe einer Stunde des Schlenderns durch die Zeiten wieder an der Kasse ankomme, halten die drei „Heiligen“ immer noch ihr Schwätzchen, nur vereinzelt sind ein paar Touristen gekommen, die großen Gruppen sammeln sich noch draußen und bevor der Ansturm losgeht, erzählt man sich private Geschichten. Beim „Heiligen Zeno“ darf gelacht werden und diskutiert. 
Die Kirche ist der Arbeitsplatz und die heiligen Gefühle, die haben andere, wenn sie in Ehrfurcht vor dem Hauptaltar niederknien. 

Man selbst verwaltet die Kasse, organisiert den Blumenschmuck, bestellt den Organisten, putzt die Kanzel,verkauft Postkarten und räumt die leergebrannten Kerzen unter den Augen von San Zeno weg, um neue hinzustellen, damit das Kirchenvermögen nie zu Ende gehe.
 
Wie schön … in San Zeno!
Die „drei Heiligen“ winken fröhlich, als ich hinausgehe. „Una buona giornata, signora!“ 

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