Nudeln aus Neapel

Das Hotel „Maestri“ und der Wahnsinn aus Neapel

Nudeln aus Neapel
Noch nie etwas von „Cernia“ und „Pepolino“ gehört? Wir auch nicht! Wir dachten: „Cernia“ wäre irgendeine Art von Hirsch und „Pepolino“ der Pendelzug von Neapel. Wir wurden im Hotel „Maestri“ in Riccione, Viale Gorizia 4, eines Besseren belehrt! 
Vom grandiosesten Koch, den Neapel je hervorgebracht hat.
 
Noch nie wurden uns so viele unbekannte Nudelsorten aufgetischt…“gnocchetti sardi“ sind z.B. keine Kartoffel-Gnocchi, wie der halbgebildete Deutsche mit einigen italienischen Vorkenntnissen etwa erwartet hätte (und immer „Gnotschi“ dazu sagt - aua!)…nein…“gnocchetti sardi“ sind auch Nudeln, aber von der Größe einer kleinen Walnuss, die in der Mitte wie die echten Kartoffelgnocchi eingedrückt sind. „Gnocchetti sardi“ mit „acciughe“ (Sardinen) in Tomatencreme. Ein Wahnsinn! Und dann diese flachen, glatten Röhren, doppelt so groß und dick wie „Penne ziti“ (glatte, schräg geschnittenen Maccheroni), die „Mezze maniche“ , die „halben Ärmel“, in deren Falten sich  in einer leichten Butter-Zitronensauce winzig kleine „Seppioline“, die Tintenfischchen verstecken…der Überwahnsinn!
 
Nudeln aus Neapel - Ein ReiseberichtUnd dann die „Spaghetti Vongole“ mit den allerkleinsten Venusmuscheln, die je aus dem Becken von Venedig  gefischt wurden, Knoblauch, Petersilie, Weißwein, fertig! Ein nicht mehr zu überbietender Wahnsinn!
 
Und dann die „Tortiglioni“, nicht zu verwechseln mit „Tortellini“, sondern eine andere Variation von Maccheroni, die „Strozzapreti“, die „Priesterwürger“, die „Spaghetti alla chitarra“ (dünn wie Gitarren-Saiten), die „Pennette alla Sissi“ mit „Calamari, Gamberi, Panna e Pomodoro“, die „Spaghetti aglio olio“ mit Olivenöl, Knoblauch und Parmesan, genial einfach und köstlich, die „Sedanini“ mit Mortadella-Würfel (wurden die für die Schlacht bei Sedan erfunden?)…ach, unzählig waren sie, die Varianten von Nudeln und Zubereitungen. Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!
 
Unser neapolitanischer Koch jedenfalls, der war ein Wahnsinniger im Resort „Pasta con pesce“, ein Fanatiker, ein leidenschaftlich Besessener in der Küche! Wir verneigen uns in Ehrfurcht vor ihm und wissen seit dieser Woche: wenn es einen Gott gibt, dann ist er Italiener! 
 
Das weiß sicherlich auch der Papst  und trinkt vielleicht, wie wir, ab und zu ein Gläschen „Verdicchio dei Castelli di Jesi“ aus den Marken, den frischen, trockenen Weißwein in der schlanken Keulenflasche, der selbst den überzeugtesten Atheisten innerlich schwören läßt: „Gelobt sei Jesus Christus“!
 
Ach ja, „Cernia“ heißt übrigens „Zackenbarsch“ und „Pendolini“ sind kleine, dattelförmige, ausgereifte, wohlschmeckende Tomaten. 
 
Wie hätte es auch anders sein können: wenn ein Koch aus Neapel kommt, dann verwendet er für seine Nudeln „Pesce“ und „Pomodoro“, Fisch und Tomaten! Oder er bekommt mal richtig Heimweh und bereitet eine „Parmiggiana di Melanzane“ zu, den Klassiker aus der Heimat, eine ganz einfachen Gemüsegratin aus in Olivenöl gegarten Auberginen und Tomaten, überbacken mit Bröseln und Parmesan.
 
Übrigens: was auf malaiisch „Nudeln“ heißt, haben wir später am Strand gelernt, im Kreuzworträtsel der Süddeutschen Zeitung: „Bami“!
 
Gelobt seien Gott, Jesus Christus, der Papst und die Köche aus Neapel! Amen!

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