Das Wurstbrot macht Schule

Ein Schulweg, das Obere Schulhaus und ein SCHULBROT vor 45 Jahren

Ein Wurstbrot macht Schule

Als wir in die Volksschule kamen, war dies das Obere Schulhaus für uns, nur ein paar Schritte durch die Altstadt hinauf vom Marktplatz durch die Obere Stadt ins Kirchwehr. In unserer Klasse waren alle Kinder aus der „Altstadt“…ein Begriff, den man damals gar nicht verwendete, denn was war das jenseits unseres Horizontes? Die „Neustadt“?

Unsere Klasse kam aus der Wolfskehle, aus dem Kirchwehr, aus der Fischergasse, aus dem Oberhacken, aus dem Spiegel und dem Kaupersgäßchen, aus der Grabenstraße und der Huthergasse. Wir alle strömten zum Oberen Schulhaus, um die allererste Bildung in uns aufzunehmen…und um in den Pausen „Schiffe versenken“ zu spielen. Auf dem Schulhof durfte nicht gerannt werden, dafür hatten die älteren Klassen zu sorgen. Wenn die Lehrerin hereinkam, standen wir noch alle auf. Im Religionsunterricht lernten wir Verse aus dem Gesangbuch auswendig und für die 4 Fälle der deutschen Sprache bastelten wir uns eigenhändig eine Art „Schieblehre“, um zu trainieren, wem man wofür zu danken hatte, wessen Schwester wen geheiratet hatte und wer wen zuallererst zu grüßen hatte.

Auf diesen wichtigen ersten Schritten unseres kleinen Lebens begleitete uns das SCHULBROT.

Niemals wäre es uns, auch wenn es finanziell möglich gewesen wäre,  in den Sinn gekommen, in der Schule etwas zu essen zu kaufen. Wir hatten unser Schulbrot von der Mutter mitbekommen und das wurde auch gegessen, weil es einfach unser Lieblingsbrot war.

Manche hatten Brötchen mit „Eszet-Schnitten“ dabei, andere Stullen mit Gänseschmalz und einen Apfel dazu. Undenkbar für mich!

Mein Schulbrot war das BIERSCHINKEN-BRÖTCHEN! Ein Brötchen vom „Schnirring“ mit dem Knopf in der Mitte, mit Butter bestrichen und drei Scheiben Bierschinken belegt. Ohne Gurke. Im Butterbrotpapier. Dazu den unnachahmlichen Geschmack der

SCHULMILCH! Vier Jahre lang ging mich mit dem Bierschinken-Brötchen in die Volksschule, und nie wäre mir in den Sinn gekommen, etwas anderes mitzunehmen oder das Gefühl zu haben, ich bräuchte Abwechslung. Wir hatten noch keine Fruchtzwerge „so wertvoll wie ein kleines Steak“, wir hatten unser Standardbrot und auf dem Heimweg für ein paar Pfennige eine Tüte Brause oder eine Rolle der Lutschbonbons mit dem Loch in der Mitte in vier verschiedenen Farben vom „Hain-Ständla“.

Unsere Schulhefte waren vom „Wanderer“, und nachmittags beim Spielen holten wir uns am „Stand“ (kein Mensch sagte „Bratwurststand“) einen halben Stollen (köstlich, wenn ihn Frau Ramming für uns auf den Rost legte und kroß machte) mit Senf!

Ohne Bratwurst! Oh, dieser Senf! Heute weiß ich, daß er „Siebenstern-Senf“ heißt, und trotz aller Variationen von Dijon-, Bautzener und Develey-Senf schmeckt mir der „Siebenstern“ immer noch am besten, weil es der Senf meiner Kindheitsnachmittage ist, weil er einfach der beste ist und weil mir das kürzlich wieder eingefallen ist, als einer meiner Bekannten mir erklärte, daß ein Franke eigentlich kein D und kein T kenne, außer in einem Wort: SENFT!

Und zu all diesen Kindheitserinnerungen muß man doch einfach mal seinen Senft dazugeben dürfen! 

Gewidmet: Gabi Kölbel, Christa Drechsel, Manfred „Manno“ Täuber, Gernot Kretter, Stefan Klemenz, Doris Zietz, Helga Haselmann, Udo Popp und allen anderen aus meiner Volksschulklasse, gewidmet meiner verehrten Lehrerin Frau Schmidt und Ralf Pauli für den „Senft“!

 

von Ursula Lauterbach, Marktplatz 8

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