Reise zu den Kameliengärten von Nordportugal und Galizien... oder: Blümchen können auch anders!

Auf unserer Reise in eine wenig bekannte Region Europas, in den Norden der iberischen Halbinsel, haben wir sie in ihrer ganzen Pracht kennengelernt: die portugiesischen und spanischen Kameliengärten, atemberaubend angelegt in verwunschenen Parks, um alte Herrenhäuser herum, in botanischen Stadtparks oder einfach entlang der Straßen in den Dörfern und Städten als blühende Alleen.

Die Melancholie der Landschaft zeigte sich uns in dieser Märzwoche im Jahre des Herrn 2017 in strahlendem Sonnenschein, was nicht selbstverständlich ist, denn es kann sein, daß es im Frühjahr hier wochenlang regnet und viel Nebel gibt. Für die Kamelien ist das wunderbar, für den Besucher aber natürlich nicht, dieser muß sich dann mit Portwein oder Fado trösten und natürlich den äußerst gewöhnungsbedürftigen „bachalau“ mit Kartoffeln und Ei probieren. Hinterher gleich einen „Albariňo“ zum Nachspülen, den Weißwein der Region, der der Legende nach einst vom Rheingau importiert wurde und einem Riesling ähnelt. 

Camellia

Camellia japonica reticulata 

Man weiß nicht, wer die Kamelien aus Japan und China zuerst nach Europa brachte, entweder portugiesische Seeleute, die ja schon sehr früh in Asien, z.B. in Macao, Handelsniederlassungen hatten, oder englische Missionare. 1739 auf jeden Fall gelangten sie mit dem böhmischen Missionar und Pflanzenkundler Georg Josef Kamel nach England, wurden auch nach ihm benannt und traten ihren Siegeszug durch die kühlen und sonnigen Regionen Europas an.
Die Kamelie ist eine wilde Teeart, ein holziger, immergrüner Strauch oder Baum, der viel Feuchtigkeit braucht und Hitze, aber auch Frost nicht erträgt.
Mr.Allen, der Besitzer der „Villars d’Allen“ meinte, der größte Feind der Kamelien wären plötzlicher Hagel und Trockenheit. 

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Kamelien-Arrangement im Schlößchen der Allens 

 

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Mr.Allens Portweine aus eigener Produktion 

Camellia

im Garten der Allens 

 

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Mr. & Mrs.Allen 

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Die Botschaft der Kamelie in der Pflanzensprache lautet: Freundschaft, Reinheit und Klarheit in der vollendeten Natur, Streben nach Schönheit und Harmonie, nach idealer Liebe. Die Kamelie sagt dem Betrachter: „Ich bin beständig!“ ...(d.h. wenn Ihr, die Ihr mich besitzt, keine Fehler macht, mich nicht der gleißenden Sonne aussetzt, den Hagel von mir fernhaltet, mir immer ausreichend Wasser gebt, den PH-Wert des Bodes regelmäßig überprüft und mich im Winter nicht erfrieren laßt...im Grunde bin ich eigentlich ziemlich unkompliziert!) 

 

Camellia

Gefüllte Camellia japonica 

Die Urform der Kamelien ist die „Camellia simplexmit 5 bis max. 8 Blütenblättern. 

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Mrs. Allen erklärt die „Camellia simplex“
Nach der Form der Blüte werden die Kamelien dann so klassifiziert: 

  • Simplex (offen, 5 bis max. 8 Blütenblätter, Stempel innen sichtbar)

  • halb gefüllt (2 oder mehr Blütenblätterreihen, Blütenblätter mehr als 8 Stempel sichtbar),

  • doppelt nicht ganz gefüllt (viele Blütenblätter überlappend, Stempel ist sichtbar, wenn die Blüte offen ist),

  • doppelt gefüllt (mehrere Reihen Blütenblätter überlappend, Stempel nicht sichtbar, wenn die Blüte geöffnet ist),

  • Anemone (eine oder mehrere Reihen äußerer Blütenblätter umgeben ein rundes Inneres, das vom Stempel und den Staubgefäßen geformt wird),

  • Päonie (ähnlich einer Pfingstrose, nicht reguläre Anordnung von Blütenblättern, Staubgefäßen und Stempel) 

Camellia

Eine Besonderheit ist die “Higo“, die Blume der Samurai, Sie ist groß mit vielen Staubgefäßen und durfte nur von den Samurai gezogen und weitergegeben

werden.
Nach der Form des Blattes werden die Kamelien in dieser Weise klassifiziert:

  • camellia reticulata: gezackter Blattrand, großes Blatt

  • camellia williamsii: Blatt wie Eukalyptusblatt, klein und hart

  • camellia japonica: kleines, glattes Blatt, zart, eher rund, glänzend grün

Eine sehr exclusive und wiederum besondere Form ist die „Camellia alba plena“, die weiße Kamelie von Coco Chanel, die an manchen Blättern in der oberen Mitte des Blattrandes je eine gezackte Aussparung formt. Sehr schwer zu erkennen, weil diese Aussparung nicht an allen Blättern passiert. 

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Tommy erklärt die „Alba plena“ 

Es gibt dann noch die „camellia sasanqua“, die erst im Herbst blüht und leicht duftet und die „camellia chrysanta“, die aus Vietnam stammt und wie eine Chrysantheme aussieht.

Und wenn man überhaupt nicht mehr durchblickt und die Kamelie, die vor einem blüht, nicht einordnen kann, dann tröstet man sich einfach damit:
„Das muß eine HYBRID-FORM sein!“ Damit liegt man niemals falsch und geht immer als Experte durch, denn Kamelien mutieren oft schnell und unkontrolliert, und plötzlich entsteht eine neue Sorte, die erst wieder klassifiziert werden muß. Expertin hierfür ist Carmen Salinero, die Leiterin des Kamelienforschungsinstitutes in Castelo de Soutomajor in Portugal. 

Camellia

In verschiedenen Gärten, wie z.B. der „Quinteiro da Cruz“ wird aus Kamelien auch Öl hergestellt für die Kosmetikproduktion (man benötigt 4 kg Kameliensamen für 0,75l Öl). 

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Camellia japonica halb gefüllt

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alter Kamelienbaum im Kloster Tibaes

Ein wenig Geschichte aus dem Norden der iberischen Halbinsel...

Portugal und Galizien sind näher verwandt als das kastilische Spanien und Galizien. Die Sprache ist ähnlich, man versteht sich auf Galizisch und Portugiesisch untereinander, man ist geprägt von derselben Landschaft (Regentropfen sind hier keine Regentropfen, sondern Perlen!), man lebt vom Meer (und heute von den Touristen) und man ist sowohl ein guter Katholik, als auch ein alter Kelte, denn man weiß ja nie, wie man sich das Böse vom Leib halten soll! 

Camellia  Die magische Hand als Türklopfer, die das Haus vor den bösen Geistern schützt. 

Das Benediktinerkloster Tibaesund Mutterhaus der Benediktiner in Portugal bei Braga spiegelt in großartiger Weise die Wucht der katholischen Kirche wider. Hier trafen sich einmal im Jahr die Führungskräfte der gesamten benediktinischen Welt (einschließlich Übersee) zu einem Konklave, um die Richtlinien für die Zukunft festzulegen. „Auf, auf, näher zu Gott“...dieses Gefühl hat man hier überall, sowohl in den Privatgemächern des Abtes, entlang der Reihe der Mönchszellen, als auch am Friedhof. 

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Camellia

große Kaskade im Klostergelände: „Auf, auf, näher zu Gott!“ 

Guimaraes ist die Wiege Portugals. Alfonso Henrique rief hier nach dem Sieg über die Mauren 1139 Portugal zum Königreich aus (port u gal = Hafen der Gallier), nachdem er seine verwandschaftlichen Verhältnisse geklärt hatte (Krieg gegen den Bruder und die eigene Mutter mit anschließender Verbannung derselben) und endlich machen konnte, was er wollte. 

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Die Häuser der Juden in Guimaraes...die Haustür war horizontal zweigeteilt: am Sabbat ließ man die untere Hälfte geschlossen und öffnete nur den oberen Teil...der Laden war also ordnungsgemäß geschlossen, aber so ganz eben doch nicht...

Galizien heißt: „das Land der Gallier“. Als die Römer kamen, nannten sie die Wehrdörfer der Gallizier „castrum“ und bis heute ist der Familienname „Castro“ in Galizien sehr häufig. Im 19.Jhd. mußten 60% der Männer Galiziens aus Not nach Südamerika auswandern. (Zur Hochzeit der Auswanderungswelle gab es eine Schiffsverbindung Hamburg-Vigo-Havanna, die 2 x pro Woche (!) befahren wurde)
Dies hatte zwei Effekte: der spanische Feminismus entstand in Galizien, weil die
Frauen auf sich selbst gestellt waren und allein „ihren Mann stehen mußten“ und der Name „Castro“ taucht in Südamerika auf...Cuba stellt mit Fidel den berühmtesten „Castro“.

Ein dritter Effekt dieser geschichtlichen Entwicklung ist der typische Wesenszug der Galizier, der sich noch verstärkt hat durch die Auswanderung: Heimweh. „Mourriňa“ ist im Spanischen ein urspr. galizisches Wort für „Heimweh“ (eig. „mourro = kleines Dunkel).
Überhaupt kennt das Galizische (eine der 4 offiziellen spanischen Sprachen neben Kastilisch, Baskisch und Katalanisch) sehr viele Verkleinerungsformen, die ja auch eine zärtliche Melancholie widerspiegeln (una copa = ein Glas, una copiňa = ein Gläschen). „Saudade“, das portugiesische Lebensgefühl der Melancholie hat sicherlich auch José Mourinho, den Fußballtrainer geprägt, irgendwie kann er sich nie richtig freuen...

Landschaftlich ist Galizien der Bretagne sehr ähnlich: Granit dominiert die Bauweise der Kirchen, Häuser, Mauern, Weinpergolen („Feldspat, Quarz und Glimmer, die vergeß ich nimmer“..lt. Doris die Definition von GRANIT).
An den Wegkreuzungen stehen Säulen mit der Madonna und Jesus am Kreuz, sog.“cruzeiros“, und die „rias“, fjordähnliche Buchten, ermöglichen intensive Muschelzucht. 

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Die Hauptstadt von Galizien ist Santiago de Compostella (neben Rom und Jerusalem der Mittelpunkt der katholischen Welt), Vigo das Fischereizentrum. Der Fischauktionsmarkt von Vigo diente Tokio als Vorbild für seinen berühmten Fischmarkt. Galizien ist nach Thailand weltweit der zweitgrößte Fischproduzent der Welt und Sitz der EU-Fischerei-Kommission.

Auf Plattformen aus weichem Eukalyptusholz,die in den „rias“ schwimmen, werden in Familienbetrieben in großem Stil Miesmuscheln gezüchtet (mejillones): man nimmt die kleinen Miesmuschelbabies von den Felsen ab, faßt sie in zarten Baumwollsäckchen zusammen und bindet sie an Seile, die von den Plattformen nicht länger als 12 m ins Wasser hängen dürfen. Die kleinen Muschelchen filtern das Wasser, fressen Plankton und werden größer, die Baumwollsäckchen lösen sich derweil auf. Man nimmt dann die Muscheln mit der richtigen Größe für den Markt von den Seilen ab und läßt die anderen noch weiterfressen, bis sie groß genug sind. Der natürliche Feind der Miesmuscheln sind Seesterne. Wenn die Seile ohne genügend Wasser am Boden hängen, klettern die Seesternchen hoch und fressen die gesamten Muscheln leer. Sie können eine ganze Ernte vernichten! Erntereif werden die Miesmuscheln in ca. 12 Monaten.

Jakobsmuscheln (viejras) züchtet man ähnlich an Seilen, sie müssen aber lose hängen, damit sie das Gefühl haben, daß sie sich bewegen können, sonst sterben sie (auch eine Form von Melancholie!).
Entenmuscheln wachsen wild und werden unter Lebensgefahr von Tauchern von den Felsen in der Brandung abgenommen, deshalb sind sie eine sehr teure Delikatesse. 

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Entenmuscheln 

Mit den Schalen der Jakobsmuscheln verkleidete man früher auch die Wetterseite der Häuser, was natürlich wahnsinnig klug war, denn einmal hatte man das kostenlose wetterfeste Material und zum anderen sah es auch noch schön aus! 

Camellia

Camellia

Dies sind nicht etwa heidnische Begräbnisstätten, sondern die berühmten Getreidespeicher Galiziens. Je wohlhabender eine Familie war, desto größer war der Getreidespeicher im Vorgarten. Man trocknete dort hauptsächlich Mais, ein Relikt der Südamerika-Route; und die runden Teller, „tornoratos“ genannt, auf denen der Speicher ruht, sollen verhindern, daß die Ratten an die guten Körner herankommen – da können sie nämlich nicht drüberklettern! 

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die beiden Ladies von „Pazo de Saleta“, die Mama wäre die Traumschwiegermutter von Tommy gewesen, keine Ahnung warum... 

Camellia Ideen der Ladies... 

Santiago de Compostella

Die Schutzheiligen Spaniens sind Jakobus und Pilar (es sind immer zwei zuständig wegen der Gleichberechtigung: Mann und Frau). Für Santiago selber sind es aber der Heilige Rochus, der Schutzheilige gegen die Pest, und die Heilige Susanna.

Durch den Pilgerweg ist Santiago natürlich reich geworden, selten sind Kirchen so mit Gold überladen wie die Kathedrale (alles Gold für die Goldverzierungen kam zur Zeit der Konquistadoren aus Monterey/Mexiko). Wenn man in Santiago jemanden fragt, ob er gut gegessen hat (was hier nicht schwer ist), dann antwortet er, ja, er „habe gegessen wie ein Priester“.
Das Wort „compostella“ hat nach neueren Erkenntnissen aber nichts mit den Sternen zu tun. Es kommt von „compositum“, d.h.“zusammengesetzte Knochen“, also Friedhof, denn die Kathedrale ist auf einem Friedhof erbaut. Wenn die Pilger vor der Kathedrale ankamen, mußten sie ihre verschlissenen Kleider ausziehen, diese verbrennen und sich am großen Wasserbecken waschen. Es gab sogar eine Art Traveller-Schecks für die Pilger, Briefe für eine Menge an Bargeld, die sie sich zuhause beim Bistum ausstellen lassen konnten und in Santiago einlösen, denn Bargeld mit sich führen war natürlich gefährlich! Übernachten konnten die Pilger in der Kathedrale, auf den Emporen gab es genug Platz. Und auch gekocht wurde in den ehrwürdigen Mauern, die Ecken dienten als öffentliche Toiletten...was ein häufigeres Weihrauchschwenken im Kirchenschiff allerdings erforderlich machte.
Der Weihrauchkessel wird geschwenkt, wenn jemand eine Spende macht, zur Messe oder zu christlichen Feiertagen, und zwar durch das Querschiff, nicht längs, da würde er nämlich an zu vielen Ecken hängen bleiben! 

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Pilgerverpflegung in der Markthalle von Santiago 

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die Kathedrale, wenn man von der Via Sancta kommt 

Auch Santiago hat eine unrühmliche jüdische Geschichte. Die Kirche der Jesuiten wurde mit den Abbruchsteinen der Synagoge gebaut, und es gibt eine Straße der „getauften Juden „ - „Rua dos Bautizados“, damit jeder wußte, daß diese Juden zwar (zwangs-)getauft waren, aber daß man ihnen trotzdem nicht trauen konnte. 

Camellia

Einer der Steine der Synagoge an der Außenmauer der Jesuitenkirche – man hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, den Davidsstern abzuschleifen! 

Camellia Ziegenkäse aus Galizien 

Ich weiß allerdings nicht, ob sich das Pilgern nach Santiago gelohnt hätte. Irgendwie hat mich die Endstation nicht überzeugt. Ich hatte mir die Kathedrale irgendwie einfacher, dramatischer und herzlicher vorgestellt. Es gibt da so viele Gebäude drumrum, die die Wirkung wegnehmen.Es gibt irgendwie keinen „WOW-Effekt! Auf jeden Fall haben wir aber wie gute Pilger den Armen gespendet, Kerzen angezündet (heutzutage elektronisch wegen der Brandgefahr – auch nicht gerade besonders spirituell) und die Stadt Geld verdienen lassen. Eine schöne Begebenheit hat mich allerdings gerührt. An einem Beichtstuhl kniete eine junge Frau, die Plastikeinkaufstüte neben sich gelegt, den Kopf in aufgewühltem Gespräch in den Beichtstuhl gesteckt, und man sah innen den weiß gekleideten Priester, der mit gütiger Miene seinen Körper hin- und her wiegte und beruhigend auf die Frau einredete. Ich bin mir sicher, er hat ihr geholfen. Wie wunderbar, daß es so etwas in dieser riesigen Pilgermaschinerie auch noch gibt!

Portwein

Porto, die Stadt des Portweins, liegt an der Mündung des Douro (span. Duero), dem Fluß aus Gold. Es ist der Geburtsort von Heinrich, dem Seefahrer und seine Kathedrale „Sé“ die älteste Portugals. Die Stadt lebte einst von einer grandiosen Tuchindustrie und fertigte bis in die 70er Jahre alles, was aus Tuch war, von den Stoffen für Chanel bis zum Tchibo-Handtuch (ähnlich wie Galizien, wo die Modeketten ZARA und MANGO`s herkommen). Heute wird dieser Job von China erledigt und Portos Einwohnerzahl schrumpfte von 500.000 auf 200.000. 

Camellia

die Brücke von Gustave Eiffel über den Douro 

Heute sind die Haupteinnahmequellen von Porto der Tourismus, der Portwein und die EU. Porto ist Weltkulturerbe der UNESCO und für die Revitalisierung der Altstadt sind viele Gelder geflossen.
1834, nach der zwangsweisen Säkularisierung wurden in ganz Portugal die Klöster aufgelöst, die Mönche vertrieben und nur die Nonnen durften bis zu ihrem Ableben in ihren Klöstern wohnen bleiben. Der Bahnhof von Porto „Sao Bento“ (Heiliger Benedikt) steht auf dem Gelände eines ehemaligen Benediktinerklosters. Man wartete aber auch dort, obwohl die Baupläne schon längst fertig waren, pietätvoll mit dem Bau, bis die letzte Nonne gestorben war. 

Camellia Bahnhof und Bahnhofshalle,

deren Konstruktion Joanne K. Rowling zur Ausstattung ihres Romans „Harry Potter“ inspirierte 

Camellia

Porto ist nach Ansicht ihrer Bewohner eine „komplette Stadt“: sie hat das Meer, den Fluß und „einen Artikel“: O PORTO! Der Artikel definiert eine Stadt erst als Stadt, genauso wie „A Coruňa“ auf galizisch, La Coruňa auf spanisch. Sie ist dann nicht mehr eine Stadt, sondern DIE Stadt!!! Deswegen ist auch das Kürzel für den Flughafen von PORTO: OPO! 

 

Camellia der schönste Buchladen der Welt, die

„Livraria Lello“, liegt in Porto und wurde ebenfalls von Joanne K. Rowling für „Harry Potter“ verwendet 

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Portwein...

alle Portwein-Firmen liegen nicht in Porto, sondern gegenüber, am anderen Flußufer des Douro, in Gaia. Auch Sandeman, natürlich, von einem Schotten gegründet. 

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Das Logo symbolisiert zweierlei: die Sherryproduktion von Sandeman in Andalusien durch den Hut und die

Portweinproduktion in Porto durch den schwarzen Talar der Studenten. Die Studenten trugen in Porto alle den gleichen Talar, damit man an der Kleidung keine Standes- oder Reichtumsunterschiede erkennen konnte. Alle sollten im Studium gleich behandelt werden. Welch eine moderne, demokratische Idee Jahrhunderte vor dem Zeitalter der Label-Klamotten!

Camellia

Der Legende nach entstand der Portwein aus einer Notsituation: die britische Krone antwortete auf die Schutzpolitik von Ludwig XIV. mit einem Importverbot von französischen Weinen. In England suchte man nach neuen Einkaufsquellen und wandte sich nach Portugal. Allerdings wurde der portugiesische Wein auf dem Transportweg nach England sauer. Man kam dann auf die Idee, den Wein haltbarer zu machen, indem man die natürliche Gärung durch Zugabe von Brandy (reinem, geschmacksneutralem 80%em Alkohol) stoppte.Dadurch bekam zwar der Portwein mehr Alkohol, wurde auch süßer, aber eben auch haltbarer.

Portwein kommt aus einem geschützten Anbaugebiet und wird aus 5 verschiedenen Weinsorten verschnitten, damit die Qualität immer gleich bleibt: Malvasia, Touriga nacional, Tinta Barocca, Tinta amarela und Sousão.

Es gibt 3 Sorten Port:

  • White Port: 3 Jahre jung, ein frischer Apéritif, auch auf Eis oder für Mix-

    Getränke:
    Ruby: in großen Fässern gelagert, mit wenig Kontakt zu CO2, oxidiert

    langsam, mit frischen Beeren-Aromen, reift mind. 3Jahre im Faß

  • Tawny: in kleinen Fässern gelagert, mehr Kontakt zu CO2, oxidiert

    schneller, Aromen von getrockneten Früchten, Gewürzen, Karamell,

    Bernsteinfarbe, reift mindestens 3 Jahre im Faß

  • Extra-Sorte: Vintage – nur ausgesuchte Weine werden dafür verwendet, lagert

    2 Jahre im Faß und wird dann auf Flaschen gezogen und dort gereift, eine edle Auslese!

Camellia

Camellia

 

Der Boden im Portwein-Keller: Stirnholzparkett (Doris !) aus extra hartem Eichenholz, damit die Fässer gerollt werden können, ohne beschädigt zu werden! 

Camellia Abend in Porto 

Kulinarisch in Porto ist noch zu erwähnen: es gibt einen Portwein von Sandeman: „Imperial“, 10 Jahre gereift, der sich hervorragend zu Melone und Serrano-Schinken eignet.

Und ein kleines, typisches Mittagessen: „Francesinha“ – ein Sandwich aus 2 Toastscheiben, Schinken und Käse dazwischen, obendrauf geriebener Käse zum Überbacken, unten eine Tomaten-Béchamel, in der das Sandwich ruht. Das Ganze wird im Ofen gebacken und zu einem Vinho Verde serviert! Köstlich!

Übrigens: die Fässer für den Portwein sind gebrauchte Weinfässer aus Frankreich. Ausgemustert werden sie nach Schottland geliefert für Whisky, und dort wiederum ausgemustert werden sie für die Rumreifung verwendet.
Dieser Rum muß verdammt gut schmecken! 

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Aufkleber an der Gustave-Eiffel-Brücke: ich lebe noch! Wie schön! 

Herrenhäuser und Kunst

Viele der heute zu besichtigenden Gärten gehören zu ehemaligen oder noch bewohnten Herrenhäusern des Adels. Die Marquesa des Pazo di Rubianes beispielsweise gehört zu den drei Adelsfamilien Spaniens, die den Titel „Grande“ tragen dürfen und das Recht haben, neben dem König zu sitzen. 
Diese Herrenhäuser und ihre Gärten waren durch Mauern abgeschottet, ließen aber einen Fahrweg frei, der am Haus entlang führte, damit man nicht den Kontakt zur Außenwelt verlor und die neuesten Nachrichten mitbekam. Zu diesem Zweck wurde auch ein Brunnen und Verpflegung für die Durchreisenden zur Verfügung gestellt. Böse Zungen spotteten später über den Adel: „Ein Wappen haben sie ja, aber gibt es zuhause auch ein Bügeleisen?“ 

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Pazo de Rubianes 

Bei Manuel im Weinkeller des Anwesens Pazo de Rubianes bekamen wir einen wunderbar frischen Albariňo serviert, dazu Tête-de-Moine-Röschen von einem spanischen Kuhmilchkäse und Oliven. Ein im doppelten Sinne des Wortes „geschmackvolles“ Ambiente! 

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Manuel im Weinkeller von Pazo de Rubianes 

Auch das riesige Anwesen „Ribadulla“ gehört einer alten spanischen Familie, die sogar eine eigene Kapelle in der Kathedrale von Santiago besitzt. Der Marques de Ribadulla war der Erzieher des Königs Juan Carlos, der als designierter Nachfolger von Franco mit 14 Jahren ganz allein aus dem Exil in Lissabon zur Erziehung nach Madrid geholt wurde. Seine Familie durfte er nur einmal im Jahr sehen. 1975, nach dem Tod Francos, setzte sich Juan Carlos wider Erwarten für ein demokratisches Spanien ein und gewann. Felipe Gonzalez (späterer Premierminister) kehrte aus dem Exil in Schweden zurück, die Kommunisten aus Frankreich, und Spanien bekam eine neue Verfassung. Beim Putschversuch des Militärs 1981 bewies Juan Carlos Größe und stellte sich an die Seite der Republik. Sein Erzieher, der die Militärs unterstützt hatte, kam kurzzeitig ins Gefängnis und ist vor ca. 2 Jahren gestorben. 

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Pergolasystem des Weinbaus: die Trauben werden so gut von unten belüftet und sind weniger anfällig für Schädlinge 

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die uralte Olivenallee in Ribadulla 

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Camellia

im Herrenhaus mit Blick auf den Park 

Ein etwas anderes „Herrenhaus“ ist die „Fundaçao Serralves“ bei Porto. Ein Highlight des Art Déco, die Villa des Textilfabrikanten Carlos Alberto Cabral, dominiert den Museumspark in atemberaubender Weise. Die roséfarbene Villa spiegelt sich in den feinen Sandwegen unterhalb der Kaskade, und die türkisfarbenen Wasserbecken bilden dazu die Komplementärfarbe. Ein wahres „Sanssouci“ der Moderne. 

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Camellia „La Baigneuse Drapée“ von Maillol 

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Claes Oldenburg „Plantoir“ 

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Impressionen

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Baiona, hübscher Badeort bei Vigo, hier nimmt der König Juan Carlos immer an einer Segelregatta teil 

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morgens wird erstmal diskutiert... 

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oder Kaffee getrunken 

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oder eine „caňa“, ein kleines Bier „Estrella“ gezwitschert 

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oder der Wecker für den nächsten Programmpunkt gestellt 

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Quiňones de Leon – Stadtpark von Vigo, bezahlt von einem Auswanderer nach Südamerika ; sein „kleines Dunkel“, sein Heimweh hat ihn dazu veranlaßt. 

Sprüche der Teilnehmer

Ja, wir hatten auch philosophische Anwandlungen!
Von „Sorge dich nicht, lebe“ bis „Carpe diem“ kamen einige Vorschläge für die Zukunft.
Ganz profan meinte aber jemand: „Dieser blöde Dale Carnegie, ich hasse diese moralischen Lebenshilfesprüche. Und „carpe diem“, was soll das bedeuten? Man tut ja sowieso schon viel zu viel. Den ganzen Tag carpen und carpen und dann ist der diem schon vorbei!“

Auch der Gruppenkoller erfaßte uns kurzzeitig. Auf eine ziemlich ruppige Belehrung eines Teilnehmers, wir sollten leiser sein, antwortete jemand:

„Vorsicht, mein Lieber, Blümchen können auch anders!“

Und dann noch das Problem des Erkennens von Details: „Seit ich meine Gleitsichtbrille überfahren habe, geht es mir besser!“

Gefachsimpelt wurde auch viel, nicht immer zum Entzücken der Spezialisten: „Das ist doch keine Seerose, das ist die gelbe Sumpflilie!!!“

Aber der wertvollste Spruch dieser Reise im Hinblick auf manche Kritik, die über die Organisation geäußert wurde, ist mindestens so viel wert wie 10% des Reisepreises:

Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal!

Allein diese Erkenntnis ist ein Schatz so groß wie eine neue Kamelienmutation, die klassifiziert wird, ein Schatz für die Menschheit! 

Camellia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Camellia

**********Ja, meine lieben Blümchen, meine lieben Kamelchen*******
wie unser Reiseleiter Tommy immer sagte, dies war die Reise nach Galizien und Portugal zu den schönsten Kameliengärten der Welt, ins Paradies, wo es nicht regnet, sondern wo Perlen glitzern und der Nebel zarte Schleier um die Kamelienblüten legt, auf daß sie nicht dem Hagel oder der Trockenheit zum Opfer fallen mögen.

März 2017 

Camellia Ursula Lauterbach 

 

 

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