Espetada – mein schönstes Ferienerlebnis...

„Espetada“ – so heißt der Spieß aus Lorbeerholz, auf dem die Portugiesen auf Madeira Rindfleischwürfel grillen.
Und ich bekam unverhofft ebenfalls die Gelegenheit dazu!
Wie das kam?

Na ja, ich gönnte mir nach dem Jahreswechsel kurz entschlossen eine Woche Ausruhzeit auf Madeira, das erste Mal „all inclusive“ mit TUI, was ich noch nie gemacht hatte. Hinfliegen, ausruhen, im Hotel nix mehr bezahlen müssen und in den Tag hineinleben. Weil ich aber nicht der Typ bin, der gerne in seinem Hotelzimmer oder am Pool „abhängt“, organisierte ich mir diese Woche so, daß ich immer morgens irgend etwas unternahm, am frühen Nachmittag wieder im Hotel war, das großartige „all-inclusive“ Mittagessen noch genießen konnte und mich dann am Pool im Liegestuhl sonnte.

Das „Espetada-Erlebnis“ hatte ich auf einer Tour mit dem gelben „Hop-on-Hop- off-Bus“ nach Santa Cruz. Der Bus hielt direkt bei meinem Hotel in Caniço de Baixa und fuhr durch das Oberland in Richtung Ostküste zum Badeörtchen Santa Cruz. Eigentlich bin ich gar nirgendwo „off gehoppt“, weil ich nur nach Santa Cruz wollte und dies die beste Gelegenheit war, dorthin zu kommen. Einmal, in den Bergen, überlegte ich kurz, ob ich einen Stopp einlegen sollte, in einem Dorf mit großem Markt, aber dann hätte ich fast zwei Stunden warten müssen bis zum nächsten „On-hoppen“, und das war mir zu lang.

Ich gelangte also in dieses bezaubernde Dörfchen, das zwar nahe am Flughafen Funchal, aber unterhalb der Schnellstraßen liegt und sich seinen Charme so zauberhaft erhalten hat, daß dies gar keinen Nachteil darstellt. 

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Die Dorfkirche San Salvador stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist ähnlich wie die Sé in Funchal außen weiß gekalkt und mit schwarzen Basaltsteinen gerahmt und innen prachtvoll im manuelinischen Stil ausgemalt, einer Besonderheit der portugiesischen Kirchen. 

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Die Kathedrale „Sé“ in Funchal – manuelinischer Stil

Der Strand in Santa Cruz ist reiner grauer Kies mit ziemlich großen Steinen und um diese Jahreszeit natürlich nicht zum Baden geeignet. Aber man tat dort andere schöne Sachen: es war Sonntag und alle einheimischen Familien machten einen Ausflug ans Meer. Mamas, Papas, Omas, Opas, Kinder, Enkelkinder, Jungverliebte...alle versammelten sich um die Buden am Meer, in denen raue Männer an großen Rinderkeulen herumschnitzten. Sie hatten den melancholischen Blick und die wettergegerbten Gesichter ehemaliger Fischer, die wissen, welch hartes Leben man auf dem Meer verbracht hat, heute aber, weil sich dieser Beruf nicht mehr lohnt, andere harte Arbeit an Land tun müssen.

Erst schlich ich ein bißchen um die Buden herum, sah dem Fladenbrot-Bäcker zu und dem Fleischer, der die Spieße steckte. Als Tourist fühlt man sich ja immer ein wenig schüchtern, zumal, wenn man die Sprache nicht fließend sprechen kann und Portugiesisch ist wirklich verdammt schwierig und verdammt anders als alle anderen romanischen Sprachen. Zum Glück kann hier fast jeder Englisch und auch Deutsch, oft auch Französisch, was natürlich dem Tourismus zu verdanken ist, aber auch der Tatsache, daß sehr viele Portugiesen schon im Ausland gearbeitet haben (ein Taxifahrer erzählte mir, er hätte in Mauretanien auf dem Straßenbau gearbeitet und dort Französisch gelernt). 

Schließlich ging ich durch die Budengasse hindurch an den Strand und sah, daß dort in großen Zinnwannen Holz, alte Obstkisten, Knochen und Rinderfett zu Holzkohle verbrannten und man das Feuer als Grill für die Spieße benutzte. 

3 Fladenbrot-Bäcker 

 

4  beim Fleischspieß-Stecken 

 

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Opa am Grill 

 

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man würzt die „Espetada“ nur mit grobem Meersalz 

 

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Ich selbst am Grill...mit dem hübschen Mann aus der Bude, der sich Rindernieren auf den Spieß gesteckt hat...bestimmt auch super lecker!

Anfangs wollte ich ja nur zuschauen, aber dann packte mich doch der Mut und ich fragte, ob ich auch einen Spieß bekommen könnte. Natürlich! Man steckte mir ein ganz schönes Trumm Fleisch auf und ich grillte es inmitten der portugiesischen Männer am Strand. Mein Gott, war ich stolz auf mich!

Wenn das Rindfleisch schließlich mit schön viel Fett dran fertig gegart ist, steckt man den Spieß in die Öffnung der Strandtische, die normalerweise für den Sonnenschirm gedacht ist (siehe im Hintergrund), zupft das Fleisch vom Spieß und ißt dazu warmes, mit Knoblauchbutter gefülltes Fladenbrot. Eine „Cerveja“ oder einen „Vinho tinto“ aus dem Plastikbecher und fertig ist das Sonntagsvergnügen!

Es ist eine Riesensauerei, der Fleischsaft tropft überall hin, die Finger sind fettig, der Wind bläst einem um die Ohren und die Klamotten stinken nach Rauch vom Grill. Aber wenn man das letzte Papiertaschentuch aus dem Rucksack gezupft und die Finger unter einem vom Budenbesitzer mitgebrachten Wassertank abgespült hat, dann ist man rundum glücklich.

Was für ein Erlebnis!
Später, als ich schon wieder im Bus nach Funchal saß, fiel mir noch auf, daß eigentlich nur die Männer am Grill standen, die Frauen saßen im Hintergrund und ließen sich das Fleisch bringen. Mein Verhalten war sicher für die Portugiesen doppelt ungewöhnlich
...kommt da eine fremde Frau und will 

einfach mitgrillen...aber sie waren sehr, sehr freundlich und höflich und gaben mir auch ein Zeichen, als das Fleisch fertig war, vielleicht aus der Sorge, ich würde es verbrennen. Eine gewisse Grandezza haben sie, diese Portugiesen! 

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am Strand von Santa Cruz 

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10  an einem anderen Strand...Cristo Rei 

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Hier fand ich dieses Motto auf dem Bistrotisch: 

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Für einen „Kleine-Auszeit-Urlaub“ kein schlechtes Motto! 

Forellenfischen - mein Zweitschönstes Ferienerlebnis...

„If you take care for nature, nature cares for you!“

                       Paulo Rodrigues – Forellenzüchter auf Madeira

Tief in den Bergen Madeiras, genauer gesagt im „Parque Ribeira Primeira“ hat ein echter, leidenschaftlicher Ökologe und Agraringenieur eine Forellenzucht aufgebaut. Allerdings nicht irgendeine Forellenzucht! Seine Philosophie lebt er im Einklang mit der Natur und gibt diese auch an Touristen, Kunden und sogar Kinder weiter. Für Kinder z.B. hat er das „Lollipop-System“ erfunden: sie lernen von ihm, wie man Forellen züchtet, fängt und dann fachgerecht ausnimmt. Wer es schafft, die Forelle so auszunehmen, daß der gesamte Körperinhalt samt Schwimmblase und Gräten erhalten bleibt und keine Gallenflüssigkeit ausläuft, der bekommt zur Belohnung einen großen „Lollipo- Lecker“. Für Kinder, sagt er, ist das ein Spiel und sie machen begeistert mit. 

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Auf diese Weise werden die Kinder auch ans Fischessen herangeführt, denn normalerweise lehnen sie Fisch als Mittagessen immer ab. Wer einmal als Kind eine selbst gefangene Forelle auf dem Grill zuberereitet hat, nur mit Zitrone und Kräutern gewürzt, der ist begeistert von diesem natürlichen Vorgang und macht gerne weiter. 

Und wissen Sie, sagt er, warum Herzoperationen funktionieren? Weil das Herz, obwohl es zur Operation aus dem Körper herausgenommen wird, als Muskel weiterschlägt. Dies demonstriert er uns ebenfalls mit dem kleinen Forellenherzen auf dem Tisch. Kinder fänden das toll...und ich, ehrlich gesagt, ich auch! 

15 das tapfere Forellenherz

 

16 mein Fang

Ein irres Gefühl, wenn der Fisch beißt und da was Schweres an der Angel hängt. Ich kann die Kinder total verstehen! Und meinen Lollipop verdiente ich wenigstens mit der gegrillten Forelle, deren Grätengerüst nach dem Essen auf meinem Teller total erhalten blieb. 

17 Paulo Rodrigues mit dem Tagesfang

18 der Tagesfang auf dem Grill

„Size matters“ sagt Paulo Rodrigues... „5 cm can make a difference“...(und das nicht nur bei den Forellen), und wenn man sich mit seinem selbst gefangenen Fisch fotografieren lassen will, dann muß man ihn ein Stück weg vom Körper halten, so wirkt er auf dem Foto größer.

Seine Forellenanlage ist völlig natürlich konzipiert. In den Bergen herrscht immer frisches Klima und das Wasser hat so viel Sauerstoff, daß man keine Pumpen braucht. 

„Watercress“ (dt. „Brunnenkresse) in den Teichen dient als natürlicher Pflanzenfilter. Die Teiche sind terrassenförmig angelegt und reinigen sich selbst durch den fließenden Wasserdurchstrom.
Die Forellen werden zwar gefüttert (mit Sojafutter und Fischabfällen), aber alles andere läuft völlig natürlich ab (beim Füttern reagieren die Fische auf Bewegung, sie sehen nicht das Futter selbst, sondern die Bewegung auf dem Wasser, wenn es hineingeworfen wird, deshalb funktioniert auch das Angeln, denn die Angel bewegt sich immer ein bißchen).
Wenn das Forellenweibchen trächtig ist, verändert sich die Farbe der Außenhaut und das Männchen erkennt, daß Nachwuchs kommen soll. Das Weibchen preßt die Eier ins Wasser, das Männchen den Samen und so werden die Eier befruchtet. Normalerweise gibt es dann „a lot of babies...but, not always...if the eggs get lost, okay, failure is a part of nature...dann gibt es eben das nächste Mal wieder „a lot of babies,‘cause nature goes on...“ schmunzelt Paulo in seinem perfekten Englisch. „And...nature does not care for the individual, but for the species“, d.h. das Individuum an sich ist nicht wichtig in der Überlebensstrategie, sondern nur das Überleben der Art! 

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gemauerte Teichanlage am Hang mit natürlichem Durchfluß des kühlen Gebirgswassers 

Paulos Naturkreislauf lautet so:

  • die Forellen kriegen Futter

  • die Forellen vermehren sich

  • durch die Feuchtigkeit im Gebirge wächst an den Teichen gutes Gras

  • Kaninchen fressen das Gras

  • Adler fressen die Kaninchen

  • Adler sterben auch irgendwann und werden Dünger

  • Boden verbessert sich für weiterhin gutes Gras

  • die Teiche sind perfekt positioniert, damit die Forellen sich vermehren können

Take care for nature and nature cares for you!

Übrigens: „Kaninchen“ heißt auf portugiesisch: „coelho“. Ich glaube nicht, daß der große Mystiker und ewig sprituell Suchende Paulo Coelho ein einziges Buch in Deutschland verkauft hätte, wenn er sich „Paul Kaninchen“ genannt hätte! 

20 Paulos Restaurant

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rechts... eine Albino-Forelle

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Als wir noch Männer waren ... und keine Berater!

„Sofrer para ganhar“: Mein drittschönstes Ferienerlebnis 

 

- das Museum von Cristiano Ronaldo in Funchal

„Wer gewinnen will, muß leiden können!“ 

Cristiano Ronaldo ist am 5.2.1985 auf Madeira geboren, in Santo Antonio, dem Ort mit der romanischen Kirche mit den ungewöhnlichen zwei Türmen. 

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25  Pokal der englischen Premier League 

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Portugal gewinnt die Europameisterschaft 2016 in Frankreich

Es ist irgendwie großartig, diese überlebensgroßen Fotos von ihm zu sehen und auch zu wissen, daß er sehr viel Geld für wohltätige Zwecke spendet, seine Heimat und seine Familie unterstützt und das nicht an die große Glocke hängt. 

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...noch ganz jung und nicht so gestylt...damals bei Sporting Lissabon... 

„Was sonst noch war...fern der Heimat, fremde Betten, Liebeskummer und nix Gescheites zu essen...?“ (wie mein Flugzeugnachbar sagte): 

Fern der Heimat: ja, ca. 3000 km Luftlinie 

Fremde Sprache: ja...Portugiesisch kam mir trotz der Tatsache, daß es eine romanische Sprache ist, völlig fremd und wenig nachvollziehbar vor.
Wer ahnt schon daß „baudilha“ „Vanille“ heißt und „obrigado“ „gracias“? „Auto-silo“ ist eine Parkgarage (glücklich übrigens derjenige, der hier sein Auto waagrecht parken kann, es ist überall nur steil!). Prainha“ = der Strand.

„Pao“ – Brot klingt eher vietnamesisch und...desculpe... selbst ein Bier - „cerveja“ wird komisch ausgesprochen.
„Tem um Madeira meio-dolc?“ ...Ja, wir haben einen Madeira semi-secco, aber bitte „con gelo“! Oder eine „Poncha“, ein Teufelszeug aus 50% selbstgebranntem Schnaps und Fruchtsaft, da kannst du leiden, wenn du gewinnen willst!
„Nao“ heißt auf jeden Fall „Nein“, aber das mußte ich nie sagen, weil alles neu und aufregend war und immer „Sim“- „Ja“! Muito bém! 

Fremde Betten: ja...gut, ein bißchen hart...aber okay im RIU Palace von Caniço de Baixa (für die richtige Aussprache des Ortes habe ich fast die ganze Urlaubswoche gebraucht). 

Liebeskummer: Nao!...Es waren zwar einige „Berater“ im Hotel, die mir gerne darüber hinweggeholfen hätten, aber ich hatte keinen Bedarf. Andererseits - die portugiesischen Männer haben mir schon gefallen, alle gut angezogen: dunkelblaue Hose, dunkelblauer Pullover, Button-down-Hemd immer korrekt. Nicht einmal die Bauarbeiter, die sehr hart arbeiten müssen, tragen das Hemd über der Hose. Nur die englischen Touristen... 

Nix Gscheites zu essen: „Nao“! Es hat überall, im Hotel und in den Restaurants phantastisch geschmeckt...sicher auch den Engländern, denn es gab billiges Bier in den Strandkneipen und Tee mit Scones und die Drinks im Hotel all-inclusive an der Bar. Newcastle, Manchester und Birmingham haben sich superwohl gefühlt. Und Manieren haben diese Engländer! Wenn die Ehefrau vom Tisch aufsteht, erhebt sich auch der Ehemann. Wow! 

Sport: Kraftvoll sind sie auch, die Portugiesen. Standup-Paddling in rauer See, das schaffen andere nur auf Hawaii! Und wenn man über den wilden Atlantik bis zum Horizont blickt, dann muß man Christoph Columbus heute noch bewundern, daß er dieses Abenteuer mit der Entdeckung Amerikas gewagt hat! 

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Levada-Wanderung: das ist etwas Wunderbares, an den uralten, befestigten Wasserläufen entlang zu laufen, durch den Wald, der manchmal eher dem Dschungel von Borneo ähnelt, als der Blumeninsel (okay, hier ist es im Januar bei 18°C ja auch Winter), und dem plätschernden Wasser zuzuhören. Madeira hat so viel natürliches Trinkwasser, daß es 2 Jahre ohne Regen reichen würde. 

30 Levada 

31 Wasserkontrollstation 

Azulejos: natürlich wie überall in Portugal grandios! 

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Männer nach dem Markteinkauf - auch irgendwie grandios:
„Hast du „Mein Kampf“ gelesen? Nein, Du den „Don Quichotte? – Nein, die wichtigen Bücher muß man nicht gelesen haben, deshalb sind sie ja so wichtig. Wer hat schließlich schon die Bibel gelesen?“ 

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Kirche und Papst:

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Papst Franziskus als Pappkamerad am Reisebüro in Funchal 

45  Lichtstimmung in der Kathedrale Sé 

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Bom dia, Madeira! 

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Mercado dos Lavradores 

 

Sofrer para Ganhar – Impressionen aus Madeira 

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